Home
 
 
 
 
 
 
   
6. Kapitel
Johann Jebmayer

Johann Jebmayer wurde 1770 als Sohn eines Kutschers in Wien geboren. Am 25. April 1858 verstarb er im Alter von 88 Jahren in seiner Wohnung in der heutigen Bandgasse 6 in Wien. Im Totenbeschauprotokoll wird er als Hofpflanzenmaler bezeichnet.

Das erste Zeugnis über seinen künstlerischen Werdegang ist der Eintrag in das Schülerprotokoll der Wiener Akademie der bildenden Künste im Jahr 1789. Wahrscheinlich studierte er unter Johann Baptist Drechsler, der von 1787 bis 1797 die Ausbildung der Blumen- und Stillebenmaler an der Manufakturzeichenschule leitete.

Als botanischer Maler war Jebmayer seit 1796 für Nikolaus Thomas Host tätig und lieferte Vorzeichnungen für die insgesamt 400 radierten und kolorierten Bildtafeln der vierbändigen Publikation „Icones et descriptiones graminum austriacarum“ (1801, 1802, 1805, 1809). Ein kompletter Satz an Aquarellen befindet sich heute im Bildarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek und ein zweite Serie im Naturhistorischen Museum Wien. Die hohe Qualität der Ausführung setzt Übung und Erfahrung in botanischer Illustration voraus. Man kann annehmen, dass Jebmayer sich zu diesem Zeitpunkt bereits einen Namen gemacht hatte.

Zwischen 1809 und dem Beginn seiner Tätigkeit für Kaiser Franz I. haben sich nur wenige Hinweise auf seine Arbeiten erhalten. In „Die zoologische Buchillustration: ihre Bibliographie und Geschichte“ wird er von Claus Nissen als einer der bedeutendsten zoologischen Zeichner der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts in Österreich erwähnt. Jebmayer fertigte beispielsweise Vorzeichnungen für die Illustration von wissenschaftlichen Publikationen über Eingeweidewürmer an.

Die Bände 3-5 der „Anatomischen Tabellen nach der Wachspräparaten-Sammlung der kaiserl. königl. Josephs-Akademie zu Wien. Durchgesehen und beschrieben von Dr. Joseph Scherer ...“ (ca. 1820) zeigen, dass auch die menschliche Anatomie zum Repertoire des Künstlers gehörte. Ob sich zu dieser Publikation Vorzeichnungen erhalten haben, ist nicht bekannt.

Seine Tätigkeit für Nikolaus Thomas Host (seit 1796) und die Freiherren von Jacquin (seit 1799) sowie sein Ruf als einer „der geübtesten und richtigsten Pflanzenzeichner“ ermöglichten ihm 1824 als Hofpflanzenmaler in den Dienst von Kaiser Franz I. zu treten (siehe Kapitel 5). Während dieser Zeit war Jebmayer auch weiter für Host tätig. Er fertigte die Vorarbeiten zu seiner Monographie über Weiden (Salix) an. Der erste Band erschien 1828, der zweite blieb durch Hosts Tod im Jahr 1834 unvollendet. Die zugehörigen Vorarbeiten wurden schließlich gebunden und sind Bestand der Fideikommissbibliothek. Der Band enthält fertige und unfertige Aquarelle Jebmayers sowie einzelne bereits radierte und kolorierte Blätter. Der Prozess der Entstehung wird dadurch gut veranschaulicht. Teilweise sind Vorlagen dreimal vorhanden und unterscheiden sich nur durch kleine Details. Um eine bessere Bildwirkung zu erzeugen, schnitt der Künstler auch oft einzelne Motive aus und setzte sie neu zusammen.

Johann Jebmayer hinterließ ein umfangreiches Werk, das bisher wenig Beachtung erfuhr. Seine Illustrationen folgen einem naturwissenschaftlichen Anspruch, dekorative Aspekte ordnen sich diesem unter. Der Stil des Künstlers und die qualitätvolle, ästhetische Ausführung blieben über die Jahre hinweg konstant.