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1. Kapitel
„Blumenkaiser" Franz I.

Im ausgehenden 18. und beginnenden 19. Jahrhundert wuchs das Interesse an der Botanik stetig und diese etablierte sich in der Folge endgültig als eigenständige Naturwissenschaft. Franz I. (1768-1835) gehörte zu ihren bedeutendsten Förderern. Da jedes Mitglied des Hauses Habsburg-Lothringen ein Handwerk erlernen musste, entschied sich Franz I. für den Beruf des Gärtners. Seine Leidenschaft für die Welt der Flora war allgemein bekannt, man nannte ihn auch den „Blumenkaiser“.

Um die Bestände seiner Gärten zu erweitern, schickte er Gärtner und Botaniker auf Expeditionen. Die wichtigste dieser Forschungsreisen war jene aus Anlass der Vermählung von Erzherzogin Leopoldine mit dem portugiesischen Kronprinzen Dom Pedro von Alcantara, dem späteren Kaiser von Brasilien. Durch diese Expedition gelangten so umfangreiche Sammlungen nach Wien, dass ein eigenes brasilianisches Museum eingerichtet werden konnte.

Das 1748 von seinem Großvater Franz Stephan von Lothringen (1708-1765) gegründete Hof-Naturalien-Cabinet war zu jener Zeit die größte Naturaliensammlung der Welt und umfasste vorwiegend Mineralien sowie Fossilien. Franz I. erweiterte diese Sammlung um ein eigenes zoologisches und ein botanisches Hof-Cabinet.

Darüber hinaus lag dem Kaiser der Erwerb von kostspieligen Tafelwerken am Herzen, an denen die Botanik zu dieser Zeit besonders reich war. Zu den wertvollsten Anschaffungen gehörten Handzeichnungen und Bilder von Ferdinand Bauer (1760-1826) aus verschiedenen Abschnitten seines Schaffens.

Zur dauerhaften Dokumentation der botanischen Schätze seiner Gewächshäuser und Gärten gründete Kaiser Franz I. die Stelle des Hofpflanzenmalers. Damit griff er die Tradition der Horti picti (gemalte Gärten) auf. Die bedeutendste derartige Sammlung geht auf die Könige von Frankreich zurück und wird heute im Muséum National d`Histoire Naturelle in Paris aufbewahrt. In jahrzehntelanger Arbeit fertigten mehrere Künstler naturalistische Abbildungen der Pflanzen des Jardin du Roi in Paris an. Es wurden 516 Kopien dieser königlichen Sammlung hergestellt. Eine davon gelangte über den Nachlass von Prinz Eugen von Savoyen in die Hofbibliothek in Wien und inspirierte möglicherweise Franz I. zu seinem Florilegium.