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8. Kapitel Mehr Bilder Bildserien
Der schöne Augenblick
Für die österreichische Fremdenverkehrswerbung fotografiert Franz Hubmann das Siebente Welt-Pfadfindertreffen in Bad Ischl im August 1951: Britische Pfadfinderinnen beim Haupteingang, ein Sikh und ein Pakistani im Gespräch. Die USIS-Bildreporter sind ebenfalls zugegen und dokumentieren das Treffen.
Zur Eröffnung ist der amerikanische Hochkommissar Walter J. Donnelly angereist. Der Sohn des österreichischen Bundeskanzlers Leopold Figl, Johannes Figl, zeigt in Pfadfinderuniform George Donnelly, dem Sohn des amerikanischen Hochkommissars die Zelte. Mit Hilfe der Amerikaner wird die Veranstaltung zum politischen Ereignis:

Am 7. Welt-Pfadfindertreffen, das in Bad Ischl vom 3.-13. August 1951 abgehalten wurde, nahmen 20.000 Pfadfinder aus 42 Staaten der freien Welt teil. In- und auslaendische Persoenlichkeiten, geistliche Wuerdentraeger besuchten die Boy Scouts. Am letzten Tag zaehlte man 40.000 Besucher im Pfadfinderlager.

Ein Beispiel von vielen, das die politische Kontrolle über den Alltag in Österreich 1945 bis 1955 zeigt. Die „Russen“ sind auf den Machtbereich ihrer Zone und mit ihren Inszenierungen auf Vorführungen im Konzerthaus und auf die Feste der kommunistischen „Partei des Volkes“ angewiesen, die Amerikaner bestimmen den Rest und steuern die Berichterstattung durch ihre professionelle Medienarbeit. Beim „Völkerkongress für den Frieden“ im Konzerthaus in Wien (Dezember 1952) wird dies besonders deutlich.
In einer der umfangreichsten Serien des ganzen USIS-Archivs wird der Kongress dokumentiert, werden die Delegierten aufgenommen und identifiziert und die Informationen auf den Negativkuverts vermerkt. Aber die Bilder sind nicht für den allgemeinen Gebrauch und die Publikation freigegeben und bleiben im Archiv. Bereits ein halbes Jahr vor Beginn des Kongresses hatte man mit der Dokumentation der Vorbereitungsarbeiten durch die „Commies“ begonnen, um mit gezielten Gegenbildern und Gegengeschichten die Veranstaltung medial zu desavouieren. Das Vorhaben gelang perfekt. Es gab kaum Berichte in den Zeitungen, und wenn, dann mit direkten Verweisen auf die Vorgänge an den Demarkationslinien und den Grenzen, genau so, wie es „George Smith“ in der Archivserie „Die Sowjetunion und der Frieden“ konzipiert hatte.
Die Amerikaner hatten 1952 politisch, ideologisch und ökonomisch die Auseinandersetzung mit den Sowjets längst für sich entschieden. Die professionelle Arbeit der US-Informationsdienste und insbesondere auch der USIS-Bildredaktion leistete dazu einen wichtigen Beitrag, indem sie die umfangreichen wirtschaftlichen und sozialen Hilfsmassnahmen und die bildungspolitischen Aktivitäten der amerikanischen Besatzungsmacht in ganz Österreich minutiös dokumentierten und mit politischer Hintergrundinformation für die Distribution aufbereiteten.
Betrachten wir die Haupttexte (mastercaptions) einiger Fotos und Serien, die für die Kontextualisierung und gleichzeitig für die politische Einordnung und Steuerung der Bilder sorgten.

Book-Mobile im Rahmen der amerikanischen Architekturausstellung im Zwergerlgarten in Salzburg.
Foto: USIS Staff Salzburg. (Helm) 27.7.1952.
In einem umfangreichen Informationsprogramm der amerikanischen Dienststellen in Oesterreich eroeffnete im Rahmen einer ebenfalls stattfindenden amerikanischen Architekturausstellung „Heute und Morgen“ eine moderne Wanderschau neuesten amerikanischen Schrifttums. Ein technisch modernst ausgeruesteter Autobus ermoeglicht in kuerzester Zeit groessere Gebiete zu bereisen und der Bevoelkerung anschaulich einen Begriff amerikanischer Literatur zu uebermitteln. In Salzburg erfreut sich diese Einrichtung bei Alt und Jung groesster Beliebtheit, in der Mehrzahl jedoch ist es die Jugend, welche sich mit einer wahren Begeisterung auf die zur Verfuegung stehenden Buchschaetze stuerzt. Da die Rueckseite des Wagens in den Abendstunden als Kino dienst und dadurch eine ganze Reihe von Baenken zur Verfuegung steht, konstruiert sich daraus ein sehr passender Freiluft-Leseraum. Teils in der Sonne und teils im Schatten wird dieser Platz allen Anspruechen gerecht.

Ländliches Lese- und Filmprogramm.
In hunderten oberoesterreichischen Schulen werden Filmvorfuehrungen gegeben.
Foto: USIS Staff Linz. (Schuetz) 19.6.1952.
Laendliches Lese- und Filmprogramm
Das US Bildungsfilm- und Leseprogramm des Informationszentrums in Linz, Oberösterreich, erfreut sich mehr und mehr Beliebtheit in den abgelegenen Doerfern und Staedten Oberoesterreichs.
Das Programm hat sich zu einem bedeutenden und effizienten Re-Edukationsmedium in Oberoesterreich entwickelt. Das Lehrfilmprogramm bietet eine Vielzahl von Themen, eingeschlossen Dokumentationen über das Leben in den Vereinigten Staaten und anderen Laendern, Gemeindeaktivitaeten, Landwirtschaftliche Erziehung, Kunst und Wissenschaft ebenso wie Instruktionen in demokratischen Vorgaengen und staatsbuergerlichen Verbesserungen.
Der erzieherische Wert vieler Filme hat ihre Popularität unter den Lehrern gesteigert und Vorführungen in hunderten Schulen Oberoesterreichs werden gegeben.


Buecherverleihservice des Wiener U.S. Information Center.
Wolfsegg-Traunthaler Bergwerksgesellschaft erhaelt 300 Bücher.
Fotos: USIS Staff Linz. (Schuetz) Dezember 1952.
Das Buchverleihzentrum des Wiener U.S. Informationszentrums hat kürzlich aufgrund einer Bestellung, die durch den regionalen Amtsträger für Öffentliche Angelegenheiten in Linz, Mr. Henry Siemer, erfolgte, 300 Bücher an die Wolfsegg-Traunthaler Bergwerksgesellschaft, Linz uebersandt, damit diese an die Werksbibliotheken der Firma in ihren Zweigstellen in Thomasroith und Ampflwang weitergeleitet werden. Die Wolfsegg-Traunthaler Bergwerksgesellschaft erhaelt 300 Bücher. Die Wolfsegg-Traunthaler Bergwerksgesellschaft hält die groessten Braunkohleminen Österreichs und gibt etwa 3300 Menschen Arbeit, die teilweise unter Tag arbeiten; sie ist ein ERP-Projekt. Die Buecher koennen für drei Monate ohne Gebuehr entlehnt werden. Sogar die Transportkosten werden vom Informationszentrum übernommen.

Ein Vergleich dieser Arbeiten mit einem der frühesten Berichte aus Wien im Jahre 1945 verdeutlicht, wie sehr sich die politische Ausrichtung, aber auch die Arbeitsweise der Redaktion geändert hatte. 1952 erhält die Wiener Redaktion Beiträge aus Salzburg und aus Linz oder direkt von den Stabfotografen, die über bemerkenswerte Ereignisse berichten. In der Wiener Redaktion werden die Berichte gesammelt, geordnet, archiviert und bei Bedarf und nach Kontrolle zur Veröffentlichung freigegeben. Die Dokumentation und mediale Begleitung des Marshallplans und der Bildungs- und Informationsprogramme spielt eine wesentliche Rolle, wenngleich durchaus unter der Rubrik „Verschiedenes“ über Österreich und seine Bevölkerung mit einem bisweilen humorvollen Augenzwinkern berichtet wird.
Ein ganz anderes Bild vermittelt ein Bildbericht, der noch in der Salzburger Redaktion über das „Leben in Wien“ (so lautet die Bleistifteintragung auf dem Kuvert) verfasst wurde. Es handelt sich um die Aufnahme im Wiener Café Victoria im ersten Bezirk, wo ein Jazzwettbewerb stattfindet:

Salzburg, 17. Aug. 1945
Wien – Kaffee Victoria, wo nach den amerikanischen „Hep tunes“ getanzt wird, obwohl die Nazi die amerikanische Musik in den Bann taten. Augenblicklich ist sogar ein Wettbewerb um den „Wiener Jazzkoenig 1945-46“ im Gange. Das Wiener Nachtleben beginnt frueh, ungefaehr um ½ 6 Uhr Nachmittag und endet um 10 Uhr abend.
American ISB Staff Photo. (ISB Nr. 139)

Die Geschichte besteht aus einem einzigen Foto und seiner Beschreibung. Auf dem Negativkuvert direkt mit Schreibmaschine geschrieben ist der englische Originaltext, der, wie der Sprachduktus nahe legt, offenbar von einem Nativespeaker verfasst wurde. Ein eigener Papierabschnitt mit dem Durchschlag der deutschen Übersetzung ist auf dem Kuvert aufgeklebt. Alles ist noch provisorisch und „handgemacht“. Aber die organisierte und gezielte Herstellung von Information lässt sich aus der Analyse der wenigen erhaltenen materiellen Bildzeugnisse aus dem Jahr 1945 und den Spuren auf den Umschlägen, in denen sie aufbewahrt waren, noch erschließen. Die klar definierte Zielsetzung einer Demokratisierung der österreichischen Gesellschaft nach amerikanischem Vorbild, wie sie von den Informationsoffizieren der ISB formuliert worden war, findet ihren konkreten Niederschlag in den Bildtexten der Redaktion von 1945 bis 1948 durch direkte Bezugnahme und Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus. Sie findet ihre Fortsetzung in den 50er-Jahren mit einer politischen Aufbereitung von Bildinhalten aus den Bundesländern.
Daran sollte man denken, wenn Werktag ist und gearbeitet wird, daran sollte man denken am Sonn- und Feiertag, wenn alle heiligen Zeiten einmal ein Fotograf zugegen ist und Land und Leute unter die Lupe nimmt.

Alle „Heiligen Zeiten“ einmal
Nur zu ganz besonderen Tagen wie Allerheiligen oder am Michaelitag (29. September), der zugleich Markttag ist, trifft der Bewohner der hoechst gelegenen Hoefe mit Seinesgleichen im Bergbauerndorf zusammen. Dann hat er auch Gelegenheit, Meinungen und Erfahrungen auszutauschen und im Dorfgasthaus einem guten Tropfen zu huldigen, das Mittagessen hat er bereits um 10 Uhr zu Hause eingenommen. Die alten Leute bleiben bei solchen Anlaessen zu Hause und hueten den Hof.
Der Heimweg wird gemeinsam angetreten, aber jeder haengt seinen eigenen Gedanken nach.
Foto: USIS Staff Innsbruck (Bierbaumer)
Tirol. November 1952.