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19. Kapitel Mehr Bilder
Das Kronprinzenwerk (um 1900)
Die ersten tastenden Versuche zu einer ethnografischen Beschreibung und Abbildung der kaiserlich-königlichen Staaten des alten österreichischen Imperiums und seiner Bewohner gegen Ende des 18. und zu Anfang des 19. Jahrhunderts bilden den Ausgangspunkt der historischen Bilderreise in der Ausstellung. An ihrem Endpunkt steht an der Jahrhundertwende 1900 der großangelegte Versuch, in einer Enzyklopädie über Österreich-Ungarn in Wort und Bild „ein umfassendes Bild unseres Vaterlandes und seiner Völkerstämme“ zu bieten und damit „ernste, patriotische“ Bedeutung zu gewinnen. Mit diesen Worten hatte Kronprinz Rudolf im März 1884 in einer Eingabe an Kaiser Franz Joseph seine Ideen zur Schaffung eines wissenschaftlich und künstlerisch ansprechenden „Volksbuchs“ unterbreitet und ersucht, dass seinen langgehegten Hoffnungen die „Allerhöchste Sanction und Kaiserlicher Schutz“ gespendet werde.
Mit kaiserlicher Zustimmung erschien unter dem Protektorat des Kronprinzen und nach dessen Tod unter dem seiner Witwe Erzherzogin Stephanie von Dezember 1885 bis Juni 1902 "Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild" in einer 24-bändigen deutschen und 21-bändigen ungarischen Sprachausgabe.
Die originalen Bildvorlagen zu über 4.500 Illustrationen der Enzyklopädie stammen von 264 Künstlern, die Texte und Korrespondenzen von insgesamt 432 Autoren aus allen Teilen der Monarchie. Das Werk und seine Quellen, Bilder, Manuskripte, Fotografien und Korrespondenzen, die erhalten geblieben sind, ermöglichen uns auch heute noch, Einblicke zu gewinnen in die Herstellung eines Werkes, das als patriotisches Volksbuch die Solidarität unter den Völkern der Monarchie stärken und gegenseitiges Verständnis wecken sollte.