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3. Kapitel Mehr Bilder
Das Land und die Bewohner (1800-1830)
Der zeitliche Bogen der Ausstellung reicht vom Regierungsantritt Kaiser Leopolds II. im Jahre 1790 bis zum Tod Kaiser Franz Josephs I. 1916, oder, wenn man so will, vom Ende der Aufklärung bis zum Beginn des habsburgischen Mythos, der mit dem Tod des Monarchen und seinem Begräbnis, das in einer Flut von Bildern und Zeitungsberichten in alle Welt getragen wurde, seinen Anfang nahm.
Der geografische Raum, der hier durchmessen wird, ist nicht minder groß. Er umfasst zunächst ausgehend von der Residenzstadt Wien die Alpenländer Niederösterreich und Oberösterreich, Steiermark, Salzburg, Kärnten, Tirol und Vorarlberg, die mit Ausnahme Salzburgs, das erst im 19. Jahrhundert zu Österreich kam, die österreichischen Erblande bilden, zu denen auch das Herzogtum Krain und Teile Istriens zu zählen sind. Im Norden formen die böhmischen Länder mit Böhmen, Mähren und Schlesien eine Region, die mit wechselhaften Ausformungen seit dem Mittelalter Teil des habsburgischen Imperiums sind. Im Osten befinden sich die Karpatenländer Galizien und Bukowina, die im späten 18. Jahrhundert an Österreich fallen. Südöstlich der Alpenländer und Böhmens liegen Ungarn und die südlichen Länder. Triest, Krain, Görz-Gradisca und Istrien waren seit langem Teil der habsburgischen Erblande, in der Napoleonischen Zeit wurde diese Region um Dalmatien vergrößert. Ungarn lässt sich in drei große Regionen teilen: in das historische Königreich Ungarn mit seiner wechselhaften Geschichte und verschiedenen Formen der Selbständigkeit seit dem Jahr 1000 im Inneren, Siebenbürgen im Osten, das von 1765 bis 1848 eine eigene Provinz bildete, und Kroatien-Slawonien im Süden mit seinen historischen Wurzeln im Königreich Kroatien. Siebenbürgen und Kroatien-Slawonien spielten eine entscheidende Rolle in der habsburgischen Verteidigungspolitik: Vom 16. bis zum 19. Jahrhundert formte ein schmaler Streifen an der Südgrenze des Reiches die Militärgrenze gegen das Osmanische Reich.
In ethnischer Hinsicht sind die Alpenländer von Deutschen, Italienern und Slowenen, die böhmischen Länder von Deutschen, Tschechen, Slowaken und Polen bevölkert. In Galizien und der Bukowina leben Polen, Ukrainer, Russen, Rumänen, Armenier, Deutsche, Juden, Roma, die in der Monarchie als Zigeuner bezeichnet werden. Die Bevölkerung in Ungarn, Kroatien-Slawonien und Siebenbürgen setzt sich mit unterschiedlichen Mehrheitsverhältnissen zusammen aus Magyaren, Deutschen, Juden, Kroaten, Rumänen, Bulgaren, Roma, Serben, Slowaken, Ukrainern.
Geografisch verteilten sich die Nationalitäten der Monarchie also über mehrere Kronländer und Länder der Monarchie und auch über die angrenzenden Staaten, eine Tatsache, die vor allem gegen Ende des Jahrhunderts zu schweren innen- und außenpolitischen Konflikten führt.