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6. Kapitel Mehr Bilder
Historische Portefeuilles
Die mehrere Tausend Stück umfassende grafische Sammlung Franz I. ist wahrscheinlich schon seit ihrem Bestehen, in jedem Fall jedoch seit den ersten Jahren des 19. Jahrhunderts in stehend gelagerten Mappen, sogenannten Portefeuilles untergebracht. Erste Nachrichten über diese Art der Aufbewahrung finden sich in einem der ältesten erhaltenen Aktenstücke des Archivs der Fideikommissbibliothek. Diesem ist zu entnehmen, dass die kaiserliche Sammlung während des Angriffs napoleonischer Truppen auf Wien im Mai 1809 in 678 Portefeuilles in die Vorstadt Alsergrund in Sicherheit gebracht wurde, was ein zweites Mal im Sommer 1813 aus selbigen Gründen geschah. Die Sammlung war inzwischen weiter gewachsen und füllte nunmehr etwa 900 Portefeuilles. Da die einzelnen Grafiken natürlich in unterschiedlichsten Formaten vorliegen, die Portefeuilles jedoch einheitliche Größen von ca. 67 cm x 47 cm (Format I) und ca. 67 cm x 52 cm (Format II) aufweisen, wirkte sich die senkrechte Aufbewahrung negativ auf die Lagerung der Druckgrafiken aus. Um diesem Missstand Abhilfe zu verschaffen, wurde Untersatzpapier im passenden Format zu den Portefeuilles angeschafft, die Grafiken einzeln darauf montiert und der freie Papierrand zum Notieren etwaiger bildspezifischer Informationen verwendet.
Infolge dieses Papiereinschubs kam es zu einem schnellen quantitativen Anwachsen der Sammlung. Ab dem Jahr 1822 ging man daran, den Gesamtbestand neu zu ordnen und zu katalogisieren. Das Ordnungsprinzip des Kaisers wurde beibehalten und teilweise weiter ausgebaut. Eine Dekade später bestückte man die Portefeuilles mit färbigen Plaketten, um die genealogische Abteilung von den ständischen Porträts eindeutig zu scheiden. Erstere erhielten oben in rot und unten in blau gehaltene Aufschriftsplaketten, bei den Ständeportefeuilles war dies umgekehrt.