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5. Kapitel Mehr Bilder
Historische Räumlichkeiten
Nach einer durch Quellen nicht hinreichend belegten Tradition zur Hausgeschichte wurde die Privatbibliothek Kaiser Franz’ I. und mit ihr auch die Porträtsammlung bis zum Jahr 1806 in seinem privaten Appartement in der kaiserlichen Hofburg aufbewahrt. Diese altehrwürdige Residenz der Habsburger bildet ein unregelmäßiges, über die Jahrhunderte gewachsenes Ensemble unterschiedlichster Bauwerke, in dessen Zentrum sich die mittelalterliche Kernburg, der sogenannte Schweizerhof, befindet. In seinem Nordwestflügel lagen im zweiten Hauptgeschoss die Gemächer des Kaisers, während jene der Kaiserin im Südwestflügel anschlossen.

Die Größe der rasch anwachsenden Sammlung erforderte jedoch bald einen eigenen Ort der Aufstellung. Er wurde im Bereich des sogenannten Schlossergangtraktes gefunden, der parallel zum Südostflügel des Schweizerhofes verläuft und mit diesem den Kapellenhof umschließt. Auf ihm wurde ein zweigeschossiger klassizistischer Aufbau errichtet, dessen unteres Stockwerk auf der gleichen Ebene wie die Appartements im Schweizerhof lag. Die Verbindung wurde über das Dach des Augustinerganges hergestellt, einem in den Jahren 1759-64 errichteten langgestreckten Zweckbau, der verschiedene Funktionen erfüllte: Zum einen diente er als Verbindungsgang zur Augustinerkirche, die traditionell vom Wiener Hof als Pfarrkirche genutzt wurde; andererseits sollte er als Notquartier für die Bücherbestände der damals mit Einsturz bedrohten Hofbibliothek dienen. Nachdem diese Gefahr durch umfangreiche Restaurierungsmaßnahmen gebannt war, wurde der Augustinergang zur Unterbringung der Sammlungen Kaiser Franz’ I. Stephan (Münz-, Antiken- und Naturalienkabinett) genutzt, die 1890 in die neu erbauten Hofmuseen an der Ringstrasse überführt wurden. Das weite Flachdach diente als Terasse, auf der Ende des 18. Jahrhunderts ein Dachgarten mit Glashaus angelegt worden war. Hier konnte der Kaiser einer weiteren Liebhaberei nachgehen: dem Sammeln exotischer Pflanzen. Nordöstlich des Augustinerganges befindet sich der gewaltige Saalbau der nach Plänen von Johann Bernhard Fischer von Erlach 1722-30 erbauten Hofbibliothek, also in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Räumlichkeiten der Privatbibliothek Franz I.

Im Untergeschoss war dem kleinen Bibliotheksbau ein Gang vorgelagert, der bereits zu den Bibliotheksräumen zählte. An diesen schlossen sich zwei große und zwei kleine Räume sowie ein zweigeschoßiger Saal an. Eine Wendeltreppe führte in das Obergeschß, in dem sich zwei den unteren identische große Räume befanden, die für die Aufbewahrung der Porträtsammlung und anderer Bildbestände bestimmt waren. Nordöstlich davon war die Wohnung des Bibliotheksdieners untergebracht.